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Interview mit Sandra Söder von Nähspirit

Interview mit Sandra von Nähspirit

In unserer Interviewreihe informieren wir Euch über spannende, interessante und vor allem kreative Persönlichkeiten. Ob MusikerIn, DesignerIn oder GründerIn ist dabei ganz egal. Uns geht es um Inspiration, Spaß und Schaffenskraft. Alle Persönlichkeiten, die wir interviewen, haben Anknüpfungspunkte zu unserer Arbeit.

Ich durfte mit Sandra von Nähspirit plaudern, was großen Spaß gemacht hat. Mit dem Label Nähspirit erschafft Sandra einzigartige Unikate aus alten Kleidungsstücken! Ein Blick auf ihre Homepage lohnt sich: www.naehspirit.de

 

Wie bist du auf die Idee für dein Label Nähspirit gekommen?

Das hat sich tatsächlich so ergeben und ist gar nicht so gezwungen entstanden, weil ich schon immer Vieles aufhebe und was Neues daraus mache, Schnittmuster ausprobiere usw. Es war mir schon immer zu schade, alte Kleidung wegzuschmeißen oder in die Altkleidersammlung zu geben. Stattdessen habe ich sie für meine Nähprojekte verwendet. Mit der Zeit habe ich natürlich schon viel produziert, die Sachen lagen dann da und so war das Business nur eine logische Konsequenz.

 

Und du hast ja auch schon sehr früh nähen gelernt, stimmts?

Ja, ich habe das Nähen schon von meiner Mutter gelernt, die früher nach Burda-Schnitten genäht hat. Für mich war das Nähen im Alltag daher schon immer präsent. Vor allem, seit die eigenen Kinder da sind, hat die Leidenschaft noch einmal stark zugenommen.

 

Das heißt du nähst auch viel für dich privat?

Ja, ich habe viele Kindersachen genäht, aber auch für mich selbst. Gerne Taschen. Mein jüngster Sohn, der jetzt 3 Jahre alt ist, hat eine komplett selbst genähte Garderobe.

 

Oh wow, das heißt, wie viele Stunden verbringst du so an der Nähmaschine?

Ja… (lacht) viel zu wenig. Aber jede freie Minute. Was nicht immer so einfach ist, mit 3 Kindern, Haus und Garten… da ist immer was los. Aber ich habe ein tolles Nähatelier, wo ich mich einfach hinsetzen kann und loslegen kann – auch wenn es mal nur 5 Minuten sind.

 

Wo suchst du nach neuen Nähideen?

Das ist sehr verschieden. Mich inspirieren natürlich alle alten Kleidungsstücke. Wenn ich etwas in der Hand halte, habe ich gleich viele Ideen dazu, was man Neues daraus machen kann. Manchmal habe ich aber auch zuerst ein Schnittmuster, das ich verwirklichen will. Ich nutze aber auch den Austausch auf den sozialen Kanälen wie z.B. Instagram.

 

Das heißt du lässt dich von dem was da ist inspirieren und musst gar nicht so sehr nach Ideen suchen?

Ja genau. Ich brauche zur Inspiration immer eine gewisse Rahmenbedingung. Das war schon als Architektin so. Sollte ich ein Bauprojekt auf einer leeren Wiese planen, fehlten erstmal die Ideen. Wenn es aber z.B. darum ging eine Baulücke zwischen zwei bestehenden Häusern zu schließen, fiel mir immer gleich was ein. Und so ist das beim Nähen auch. Es fällt mir leicht, etwas aus dem Vorhandenen zu machen, etwas Neues zu kreieren. Das was bereits da ist, ist meine Inspiration und das verarbeite ich dann weiter. Es kann aber auch einfach ein neues Schnittmuster sein.

 

Was war auf deinem Weg zur Selbständigkeit bisher die größte Herausforderung?

Mir diesen Schritt selber zu erlauben und mir zuzugestehen, dass das Ganze ohne Druck wachsen darf. Eine Freundin sagte zu mir: „du bist doch sowieso schon längst dabei, es gibt doch eigentlich kein zurück mehr“. Und sie hatte recht. Ich hatte in meinem Kopf eigentlich schon alles fertig, mir fehlte nur noch der Mut, den letzten Schritt mit allen Konsequenzen zu gehen. Ich habe aber gemerkt, dass wenn ich es jetzt nicht mache, dann wahrscheinlich nie. Dabei hat mir ein Human-Design-Reading und die Begegnung mit der Spiritualität sehr geholfen.

 

Auf deiner Homepage steht, deine Nähprojekte haben auch etwas Spirituelles, dadurch, dass du alten Kleidungsstücken einen neuen Geist gibst. Dieser Aspekt interessiert mich. Kannst du das noch weiter beschreiben?

Ja, es ist für mich etwas Besonderes alten Dingen neues Leben einzuhauchen. Vor allem, wenn es ein lieb gewonnenes Erinnerungsstück ist – z.B. die Lederjacke von der Oma, die verstorben ist. Daraus dann eine tolle Umhängetasche oder Ähnliches zu nähen und etwas zu kreieren, was man braucht, reizt mich. Oder z.B. habe ich eine Anfrage aus einem Brautkleid ein Taufkleid zu nähen. Was für eine tolle Herausforderung! Aber es muss auch gar nicht immer „der große“ Moment sein, den man vernäht. Es ist auch einfach toll, wenn aus 3 alten Hoodys, die im Schrank ungetragen herum liegen, ein neuer toller Pullover entsteht, den man dann gerne anzieht.

 

Was magst du am Nähen am liebsten?

Ich mag es kreativ zu sein und streichel gerne Stoffe! Und der Moment, wenn man das Nähprojekt, z.B. eine Tasche dann wendet, das ist jedes Mal wie eine Geburt und hat einen gewissen Zauber für mich, den ich an diesem Job sehr liebe. Und ich freue mich immer, wenn mir präzise Nähte gelungen sind.

 

Wie groß ist dein Stofflager?

Natürlich viel zu klein. Ich habe immer ein Platzproblem, wenn etwas Neues dazu kommt. Aber ich horte gar nicht so viel. Es sind etwa 3 Billy-Regale voll.

 

Wo kaufst du deinen Stoff und die Kurzwaren?

Ich kaufe wenig Neues ein. Aus dem Improvisieren entstehen oft tolle Kreationen.
Ich bekomme fast alles was ich für meine Nähprojekte verwende aus zweiter Hand. Zum Beispiel habe ich viele alte Lederjacken von meinem Schwiegervater oder von einer Handarbeitsnähgruppe habe ich einen ganzen Haufen alter Reißverschlüsse bekommen.
Außer für die Kinderkleidung. Da kaufe ich z.B. den Jersey, der dann meist sehr Motivgebunden ist. Ich liebe es auch auf den Stoffmarkt zu gehen, den Flair dort zu erleben und unter Gleichgesinnten zu sein. Ich streichel dort gern die Stoffe, nehme aber nur ganz besonderen Motivstoff mit, denn ich sehe diese Massenproduktion von Stoffen auch eher kritisch. Außerdem ist es mir wichtig den Handel vor Ort zu unterstützen, weshalb ich z.B. Vlies oder Zubehör für ganz spezielle Aufträge im örtlichen Stoffladen besorge.

 

Das heißt dein Anspruch an Nachhaltigkeit ist dir bei deinen Nähprojekten sehr wichtig?

Ja, ich achte sehr darauf möglichst alles zu 100% zu verwerten. Ich trenne immer jedes Detail ab, ob Reißverschlüsse, Schnallen, Knöpfe… es wird wirklich sehr selten etwas Neues bestellt. Zum Beispiel bekomme ich vom Schrotthändler die Sicherheitsgurte aus den Autos, die man super als Gurtband weiterverwerten kann für Rucksäcke z.B.

 

Wie verbringst du deine Freizeit, wenn du mal nicht am Nähen bist?

Ich verfolge intensiv meine persönliches Weiterentwicklung. Ich lese dazu viel, höre Podcasts, mache online-Kurse oder gehe auch einfach mal zum Zumba.

 

Gibt es etwas, das du anderen Näherinnen und vielleicht auch Näheinsteigerinnen mit auf den Weg geben willst?

Ja, lege nicht so viel Perfektionismus an den Tag, nähe einfach mutig drauf los. Wenn du ein altes Kleidungsstück hast, trau dich etwas Neues daraus zu machen. So viele sagen zu mir, „ich kann das nicht, du bist ja so talentiert.“ Ich denke aber, dass jeder etwas schönes zaubern kann, wenn man sich nur traut anzufangen. Und oftmals braucht es Durchhaltevermögen. Auch mir geht es bis heute immer wieder so, dass ich mich in Geduld üben muss, wenn ein Projekt mal zu lange braucht. Lass dich davon nicht unterkriegen und bleib dran.